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Demokratie-Kita Berlin: Was passiert, wenn Kinder über Zuckerwatte entscheiden

16.06.2026
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Demokratiebildung Kita, Partizipation Kindergarten, Kinderrechte, Mitbestimmung

In einer Berliner Kita wird seit drei Jahren radikal mitbestimmt. Zuckerwatte zum Nachtisch? Abstimmung. Welche Spielgeräte kommen in den Hof? Kinderrat. Wie lange bleibt der Sandkasten offen? Beschluss der Gruppe. Was nach Chaos klingt, ist hochstrukturiert – und funktioniert.

Demokratiebildung in der Kita bedeutet nicht, dass Kinder ab jetzt den Laden schmeißen. Es bedeutet: echte Mitbestimmung in Bereichen, in denen sie lernen können, was Konsequenzen sind. Die „KiTa Mitbestimmen" in Berlin-Friedrichshain wurde 2022 als erste Demokratie-Kita Deutschlands zertifiziert. Kinder entscheiden dort über Tagesablauf, Material, Regeln – mit klaren Grenzen, aber echtem Einfluss.

Das Konzept basiert auf drei Ebenen: persönliche Autonomie (Was ziehe ich an?), Gruppenprozesse (Welches Lied singen wir?) und institutionelle Entscheidungen (Welche Farbe bekommt die Wand?). Nicht alles wird zur Abstimmung gestellt. Sicherheit, Gesundheit, Aufsichtspflicht bleiben bei den Erwachsenen. Aber alles, was verhandelbar ist, wird verhandelt.

Die Zuckerwatte-Episode war kein Zufall. Ein Kind hatte die Idee, zum Geburtstag Zuckerwatte zu servieren. Die Gruppe diskutierte: gesund vs. besonders, Alltag vs. Ausnahme. Beschluss: einmal im Monat, bei Geburtstagen, als Zusatz zum normalen Essen. Kein Drama, keine Endlosschleife. Eine Regel, die hält.

Mitbestimmung braucht Struktur. In der Berliner Kita gibt es feste Gesprächskreise, Abstimmungsregeln (Handzeichen, Mehrheit, Protokoll) und Rollen: Moderator:in, Regelwächter:in, Zeitnehmer:in. Kinder lernen früh, was es heißt, gehört zu werden – und dass eigene Entscheidungen Folgen haben. Wer für kürzere Mittagsruhe stimmt, bekommt nachmittags keine Extra-Spielzeit.

Das Team wurde gezielt geschult: Partizipation ohne pädagogische Haltung wird schnell zur Alibiveranstaltung. Fachkräfte müssen aushalten, dass Kinder Entscheidungen treffen, die sie selbst anders getroffen hätten. Und sie müssen erklären können, wann und warum etwas nicht verhandelbar ist.

Drei Prinzipien tragen das Modell: Transparenz (Kinder wissen, wer was entscheidet), Ernsthaftigkeit (Beschlüsse werden umgesetzt, nicht nur „gehört") und Reflexion (Was hat funktioniert? Was nicht?). Wöchentlich wird im Kinderrat besprochen, welche Regeln noch Sinn ergeben und welche nicht mehr passen.

Kritik gab es anfangs von Eltern: Zu viel Verantwortung, zu früh. Die Antwort der Kita: Kinder entscheiden nicht über alles, sondern über das, was sie verstehen und beeinflussen können. Und genau das macht den Unterschied: nicht Überforderung durch Pseudo-Autonomie, sondern echte Erfahrung in klar umrissenen Bereichen.

Träger, die dieses Modell umsetzen wollen, brauchen mehr als ein Konzeptpapier. Sie brauchen Fachkräfte, die Partizipation nicht als pädagogisches Add-on verstehen, sondern als Grundhaltung. Und sie brauchen Zeit: für Reflexion, für Teamsitzungen, für Prozesse, die nicht nach zwei Wochen durchoptimiert sind.

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Demokratiebildung in der Kita ist kein Wohlfühl-Thema, sondern Arbeit: strukturiert, verbindlich, auf Augenhöhe. Die Berliner Kita zeigt, dass Mitbestimmung funktioniert, wenn sie ernst gemeint ist – mit klaren Grenzen, echten Konsequenzen und einem Team, das bereit ist, Kontrolle abzugeben. Wer das als Träger umsetzen will, braucht nicht nur ein gutes Konzept, sondern Fachkräfte, die es mittragen. Und Rahmenbedingungen, die Reflexion und Prozessarbeit ermöglichen.

16.06.2026
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Laura Niebel
Content & Social Media Managerin

Ich bin Laura und ich mag Texte, die was bringen. Ich komm aus dem Kita-Alltag, und genau so sollen die Texte auch sein: Keine großen Überleitungen, keine Floskeln – lieber ein gutes Beispiel, eine klare Einordnung und am Ende etwas, das du direkt anwenden kannst. Hier geht's um Kommunikation und alles, was Teams (und Eltern) entlastet.